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J.P. Altmutter, Una famiglia di Karrner incontra un ambulante tirolese, 1809

2. Die Tafeln der Ausstellung

h. Die Karrner

Wolftraud de Concini

Sie waren keine Zigeuner, wurden ihnen aber gleichgestellt: Die Karrner stellen bis heute noch ein heikles, unbewältigtes Kapitel der Tiroler, besonders der Vinschgauer Geschichte dar.

Im Gegensatz zu anderen Südtiroler Tälern, wo das Anerbenrecht gilt (daher der «geschlossene Hof»), herrschte im Vinschgau das alemannische Realteilungsrecht, das von Siedlern aus Schwaben über den Reschen ins Tal gelangt war, im Kielwasser der Mönche der Benediktinerabtei Marienberg. Der an sich schon aufgrund des schroffen Geländes wenig einträgliche Grundbesitz wurde mit der Zeit zerkleinert und unglaublich zerstückelt, die Bevölkerung nahm zu, während die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zurückgingen. Dazu kamen Kriege, Missernten und die Einstellung des Bergbaus. Um zu (über)leben, mussten sich viele Vinschgauer nach anderen Auswegen aus bitterster Armut umschauen. Und nicht wenige wurden zu Karrnern.

Viele Tiroler Autoren des 19. Jahrhunderts haben sie beschrieben, oft allerdings mit der dünkelhaften Arroganz, aber auch der neidischen Neugier, die der sesshafte und wohlhabende Bürger den «Anderen» entgegenbringt: große Familien mit vielen, zerlumpten und fröhlichen Kindern um einen Karren, der vom Vater, von der Mutter und von den größleren Kindern gezogen wurde, manchmal mit Hilfe des unausbleiblichen Hundes, seltener eines Esels oder Maultiers. Es waren zweirädrige Planwagen, die denen der amerikanischen Far-West-Pioniere ähnelten und dem Karrner als Wohnstatt, Schlafraum und Laden dienten.

Denn die Karrner waren Wanderhändler. Auf ihren mit allen nur erdenklichen Waren vollgepackten Karren beförderten sie geflochtene Körbe und Besen, die sie während des Winters angefertigt hatten, Wagenschmiere und Schuhcreme eigener Produktion, und dann Obst, Käse, Essig und Salz, Schleifsteine und Nägel, Bürsten und Streichhölzer, Seife, Knöpfe und Gummibänder, rustikale Keramikwaren aus Bruneck («Brauneggergeschirr») und farbige Drucke. Sie hielten aber auch Vögel feil, sammelten und rösteten Kastanien, während die Wohlhabenderen unter ihnen auf den großen Viehmärkten mit Pferden handelten. Der Wanderhandel war allerdings nicht die einzige Einnahmequelle. Die Frauen, die sich in Kräutern auskannten, waren als Heilkundige begehrt, Frauen und Kinder erbettelten sich Kleidung und Esswaren, während die Männer gefragte Musiker waren, besonders als Ziehharmonikaspieler.

Bei ihrem Herumziehen, bei den Übernachtungen im Freien oder in Ställen und Scheunen der Bauern kreuzten sich die Wege der Karrner oft mit denen der Sinti-Zigeuner, die die gleichen Gegenden aufsuchten und oft auch die gleichen Dienste anboten. Es kam zwischen ihnen zu dauerhaften Freundschaften, auch zu - allerdings recht seltenen - Ehen. Und die Karrnersprache, die heutzutage weder gesprochen noch verstanden wird, scheint auch einige Wörter aus dem Romanes übernommen zu haben, wie «lowi» Geld von «love», «schugger» schön von «shukar» und «nasch» lauf weg von «nash».
Die charakteristischen Karrnerwagen waren auf den Südtiroler Straflen bis nach dem zweiten Weltkrieg anzutreffen. Sie kamen überwiegend aus dem oberen Vinschgau, vor allem aus den Dörfern Latsch, Tartsch, Prad und Stilfs, und die verbreitetsten Familiennamen waren Federspiel, Wilhelm, Kuen und Höfer. Zurückgeblieben sind von ihnen ein paar Gräber auf dem Latscher Friedhof, einige literarische Werke (bemerkenswert die «Korrnrliadr» von Luis Stefan Stecher) und ein leichtes Unbehagen nicht weniger Südtiroler angesichts dieser «heimischen Zigeuner».

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