Kommentar zum Gedicht "Gesang der Geister über den Wassern"

In diesem Gedicht vergleicht Goethe die Seele der Menschen mit dem Wasser.
Der Dichter zeigt, dass die Seele, wie das Wasser, vom Himmel kommt und am Ende des Lebens wieder in die Höhe steigen wird.
In der Jugend ist die Seele stark und voll Energie, wie das strömende Wasser, das in „Wolkenwellen" stäubt; wenn sie langsam alt wird, verliert sie ihre Energie und sieht aus wie ein Fluss, der „leise rauscht".
Wenn die Seele dann alt ist, kann man sie mit einem glatten See vergleichen, weil sie fast alle Energie verloren hat. Da wird der Wind (der Tod) kommen, der das Wasser wieder in die Höhe bringen wird; von dort wird sie wieder auf die Erde „ewig wechselnd" kommen.
Der Kreis der Seele, der mit dem Wasserkreis verglichen wird, ist keine christliche Interpretation, weil der Dichter glaubt, dass der Kreis ewig lang sein wird.
Dieses Gedicht besteht aus 6 Strophen, die nicht alle gleich sind: die erste hat 7, die zweite 10, die dritte und die vierte 5 und die letzten zwei 4 Versen.
Zum Zeigen, dass der Kreis der Seele und des Wassers nicht gleichmäßig, sondern immer verschieden sind, hat das Gedicht keine Reime und keinen Rhythmus.
In den Versen 5,7 und 17 sind einige Stabreime (Wieder nieder; Ewig wechselnd; Tiefe nieder), die die Länge des Wasser- und Seelenkreises betonen.
Es gibt auch viele rhetorische Figuren, die dem Gedicht Ausdruckskraft geben: Mit den Wiederholungen (in den Versen 3 und 4) der Wörter „Himmel" und „es" (das Wasser), will z.B. der Dichter uns zeigen, dass der Wasserkreis ewig das Gleiche sein wird; als Folge, sieht man, dass auch der „Seelenkreis" in Ewigkeit gleich sein wird.
Es gibt auch einige lautmalende Wörter, wie „strömt" und „stäubt", die dem Gedicht nochmals Ausdruckskraft geben und die Geräusche des Wassers nachahmen.
Das Gedicht endet mit zwei Ausrufen (Vers 33 und 35), die die These von Goethe zusammenfassen und unterstreichen.
Das Gedicht wurde im Jahr 1827 geschrieben. Deshalb gehört es zur „klassischen" Periode. In diesem Gedicht kann man tatsächlich einige klassische Aspekte sehen, wie z.B. das Gleichgewicht zwischen Abstraktem (die Seele) und Konkretem (die Natur, das Wasser) und zwischen Gefühl und Rationalität. Man sieht auch eine große Liebe zur Natur und eine Bewunderung ihrer Kräfte.