Autonome Provinz Bozen-Südtirol Provincia autonoma di Bolzano-Alto Adige
EUROPÄISCHER SOZIALFONDS

OBIETTIVO 3

FONDO SOCIALE EUROPEO

OBIETTIVO 3

 

Einleitung

 Das Projekt richtet seinen Blick auf Frauen in Bildung und Arbeit, indem es die wichtigsten Entwicklungsstufen weiblicher Ausbildung und Berufsorientierung im 20. Jh. nachzeichnet. Das Hauptaugenmerk fällt dabei auf die sich verändernde Sichtweise der gesellschaftlichen Rolle der Frau und in deren Folge sowohl auf die Veränderungen in Bildung und Arbeit als auch auf kulturelle Stereotypen in Ausbildung und weiblicher Selbstdarstellung innerhalb der Weiterbildungsstätten des 20. Jhs.

 Die Auseinandersetzung und die Aufbereitung der „Geschichte“ führt durch die aktive Mitarbeit in den Klassen (Forschen, Sammeln von Berichten, Interviews usw.) zur Bewusstseinsbildung aller Mitwirkenden. Durch aktive Zusammenarbeit zwischen Lehrer- und Schülerinnen wird die Auseinandersetzung mit der beruflichen Orientierung gefördert und das geschlechtsspezifische Bewußtsein gestärkt.

 Für dieses Projekt wird spezifisches didaktisches Unterrichtsmaterial entwickelt und den Schulen zur Verfügung gestellt. Die Unterrichtseinheiten sollen zur Entwicklung von Kenntnissen im Bereich der historischen Dokumentation und Datenverarbeitung führen und das geschlechtsspezifische und historische Bewusstsein fördern.

 Schwerpunkte

 

  1. Bereich Chancengleichheit: Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung und fördert das Wissen über Voraussetzungen und zeitliche Abläufe von Veränderungen im Verstehen der Rolle der Frau im Laufe des 20. Jhs. (historische Selbsterfahrung). Durch das Sammeln von ZeitzeugInnenberichten sollte ein lebendiges Bild der Kultur und Bildung im Laufe des Entwicklungsprozesses nachzuzeichnen sein. Neue Bereiche, in denen Frauen in Bildung und Schule gewirkt haben, sollen gesucht, erforscht und zugänglich gemacht werden und nicht nur auf bereits Bestehendes zurückgegriffen werden.
  2. Aufwertung der Karrieren von Frauen (in den Bereichen Erziehung und Bildung): Dies geschieht vor allem durch das Einbeziehen der bestehenden pädagogischen Strukturen (Institutionen für Forschung und Dokumentation, Schulen, Berufsausbildung usw.) und durch das Einbeziehen der Lehrer- und Schülerinnen.
  3. Anwendung von speziellen Methoden: Sie dienen der Aus- und Weiterbildung der Lehrer- und Schülerinnen im Gebrauch des Netzes (Computer), zum Sammeln von Zeitzeugenberichten und zum Führen von Interviews (Ausbildung der Fähigkeiten zum Sammeln und Bewahren von Zeitzeugnissen aus Vergangenheit und Gegenwart).
  4. Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für Frauen: Angestrebt wird eine Aufwertung der weiblichen Professionalität in der historischen Forschung und Dokumentation, in der Ausbildung des erzieherisch-didaktischen Planens, in der Planung im Computerbereich (Informatik), im Umgang mit Gruppen und Ressourcen, in der Ausbildung und Anwendung des Netzes und schließlich in der Zusammenarbeit zwischen Frauen, Institutionen, Ämtern und Vereinigungen.
  5. Förderung neuer Berufsbilder (und Modelle) für Frauen

 

Voraussetzungen und Ziele des Projektes

 

Das Projekt möchte das Wissen und das Bewusstsein über die Voraussetzungen und über den zeitlichen Verlauf der Entwicklung der Rolle der Frau im Laufe eines Jahrhunderts (20. Jh.) erweitern (Selbsterkenntnis). Es werden Zeitzeugnisse von Frauen gesammelt, um diese als Kultur- und Bildungserbe, zur Information und zur Bewusstseinsbildung über die Entwicklung der Frau in Südtirol zu bewahren und um das bisher nicht allgemein sichtbare und zugängliche Wissen über das Wirken von Frauen in Erziehung und Ausbildung zu verbreiten.

 

Das Projekt wird in der Autonomen Provinz Bozen durchgeführt, in der drei Volksgruppen unterschiedlichster Kultur, Sprache und Tradition zusammenleben. Hier haben die auf Frauen bezogenen Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen eine alte und verzweigte Tradition, die es zulässt, die Beständigkeiten und Veränderungen in der geschichtlichen Entwicklung des 20. Jhs. nachzuvollziehen. Sie ermöglichen der jungen Generation von Frauen einen bewussteren Umgang mit Ausbildung und Chancengleichheit, mit Schule, Lehre und Arbeit und mit der Entwicklung der Präsenz von Frauen in der Gesellschaft und in Führungspositionen.

 

In diesem Sinne versucht das Projekt, die Karrieremöglichkeiten der Frau (im Bereich Erziehung und Bildung) über das Einbeziehen der jeweiligen Strukturen (wissenschaftliche Einrichtungen, Schulen und Berufsbildung) und über das Einbeziehen von Lehrer- und Schülerinnen aufzuwerten.

 Es geht um die Erforschung der kultur- und sozialgeschichtlichen Entwicklung des Ausbildungs- und Erziehungsangebotes für Frauen in Südtirol (zwischen 1900 und 2001) unter Einbeziehung Südtiroler Lehrer- und Schülerinnen („Pilotklassen“) einiger Ober- und Berufsschulen aller drei Sprachgruppen (deutsch, italienisch und ladinisch). Ein ähnliches Instrument der gemeinsamen Erforschung und Informationserarbeitung gibt es bisher weder in deutscher, italienischer noch ladinischer Sprache.

 Ausgehend von der historischen Forschung, die didaktisches Lehrmaterial als Grundlage für das weitere Vorgehen ausarbeitet, wird in einem zweiten Schritt unter Einbezug der Lehrpersonen und Schülerinnen der Pilotklassen und unter Anwendung des eigens für dieses Projekt erarbeiteten didaktischen Materials versucht, die Entwicklung der Ausbildung und der Veränderungen der didaktischen Methoden im Laufe des 20. Jhs. nachzuzeichnen.

Die didaktischen Instrumente sind im Bereich der Dokumentation, der Methode und des historischen Erfassens innovativ. Es werden Lehreinheiten zum Sammeln von Zeitzeugnissen und zum Führen von Interviews (in historischer sowie zeithistorischer Dimension) und Nutzung und Zugang zu Information und Dokumentation im Internet geübt und erklärt.

 Der dritte Schritt sieht die Projektierung und Realisierung der Homepage „Frauen – Schule – Bildung on-line“ vor, welche folgende Schwerpunkte beinhalten sollte:

·        die Veränderungen der Rolle der Frau in der Gesellschaft und der sich daraus ergebenden Veränderungen innerhalb Schule und Lehre

·        die Kontinuität (kulturelle Stereotypen) im Bereich der Bildung der Frau im Laufe des 20. Jhs. in Südtirol (mit Blick auf die Weltgeschichte)

·        die Präsenz von Frauen in den Bildungsstätten

 Die Homepage setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen: bibliographische Daten, Projektdaten der Pilotklassen (didaktischer Verlauf), Daten, die in Bezug zur historischen Forschung und Dokumentation stehen (Texte, Bilder, Zeitzeugnisse – in Bild und Ton usw.), ein Forum sowie Links zu Webseiten zum Thema Frau, zu Weiterbildung und zu Bibliographien zur Vertiefung der Thematik.

 Der vierte Schritt beinhaltet die Ausbildung der Lehrer- und Schülerinnen in den Anwendungen der Internetseite, die Suche, Verbreitung und Gegenüberstellung einzelner Projekte im Netz, das „Ins-Netz-Stellen“ des erarbeiteten Materials der einzelnen Pilotklassen und die Wartung und Instandhaltung der Website.

 Die einzelnen Phasen des Projektes werden von einer außenstehenden Fachfrau periodisch überprüft, welche ihre Anmerkungen über die Homepage mitteilt und über Änderungen bzw. Neuerungen informiert.

 Der fünfte und letzte Schritt, der für das Schuljahr 2002-2003 vorgesehen ist, wird die Vorbereitung, Aufzeichnung, Redaktion und Veröffentlichung des didaktischen und dokumentarischen Materials (dreisprachig) über „Frauen, Schule und Bildung in Südtirol: Worte, Gedanken und Bilder von Frauen in der Schule des 20. Jahrhunderts“ sein. Ziele dabei sind das Betreiben der Forschung auf verschiedenen Ebenen (historische Forschung, Didaktik), die Auswertung der didaktischen Erfahrungen und des Experimentierens mit dem Netz und die Verbreitung des erarbeiteten Materials.

Ein weiterer Ausblick und eine Reflexion auf Ziele und erzieherische Werte werden Schwerpunkte in einem zweiten Projektjahr sein, wobei gleichzeitig die Homepage und das didaktische Material beworben werden soll.